Posts mit dem Label Medien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Medien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

21.10.12

Keine Wertarbeit – nirgends (676)

Und wo wir schon beim Thema geplante Obsoleszenz sind: Der wirklich sehr gute GREENPEACE-MAGAZIN-Artikel »Aus Neu mach Alt« ist online, wie ich gerade feststelle. Dessen Teaser:
Ob Handys, Flachbildfernseher oder elektrische Zahnbürsten – 
Hersteller überschwemmen mit immer neuen Modellen den Markt. 
Um den Umsatz zu steigern, nutzen einige eine besonders perfide 
Strategie: Sie bauen ihren Produkten Sollbruchstellen ein, 
damit diese schneller kaputtgehen. Die Kunden sind ahnungslos

22.2.12

Keine Wertarbeit – nirgends (649)

Wo wir schon beim Thema »Keine Wertarbeit« sind: Das Vahrenholt-Buch »Die Kalte Sonne« ist natürlich ein ärgerlicher, interessengeleiteter Nonsens und wurde auch von mir einer umfassenden Kritik unterzogen. Dem geneigten Leser empfohlen seien meine Kolumnen Messias der »Klimaskeptiker« und Wenn Vahrenholt Recht hätte.

3.9.11

Keine Wertarbeit – nirgends (644)

Die Lange Nacht – eigentlich ein oft ausgesprochen gutes Format im Deutschlandradio und Deutschlandfunk. Thema diesmal: Die »Dunkle Lichtgestalt« namens Rudolf Steiner. Könnte spannend werden. Doch wer sind die Kronzeugen gegen den Anthroposophen-Messias? Ausgerechnet Maxeiner und Miersch. Die nicht ganz so hellen Dunkelmänner. Das ist ungefähr so, als würde man den Papst mit dem Ratzinger austreiben.

Konkret geht es darum, die industrielle Schundfraß-Produktion (»Landwirtschaft«) als einzig rational abzufeiern. Die Geschäftslücke der beiden Nökos mit den M-Nachnamen: Öko ist immer Quatsch. Und da wird dann Kritikables und Dummes vermengt mit dem Gegenteil davon. Was für Mixer...

Doch zwar sind Steiners Agrartheorien zu einem Gutteil ebenso irrational wie sein Okkultismus und Rassismus. Gleiches gilt jedoch nicht für den Verzicht auf  Chemiedüngung und Giftspritze. Genau das jedoch ist der Kern ökologischer Landwirtschaft, nicht nur in ihrer anthroposphischen Variante. Und das hat nichts mit Schwärmerei zu tun, Deutschlandradio!

29.5.11

»…nicht zu Lasten des Standorts!«

Egal ob Gazprom oder RWE: Sie alle haben ihren Schröder oder Joschka. 36. Folge meiner Kolumne Linke und Technik…! auf neues-deutschland.de

Erstaunlich viele Ex-Spitzenpolitiker von SPD und Grünen landen nach dem Ende ihrer Karriere bei Energiekonzernen. Energiepolitische Vernunft und ökosozialer Fortschritt sind nicht die Ziele, denen sie dort zuvörderst dienen. Sie werben für nukleare und fossile Energien – statt für umweltfreundliche Technologien.

Die Kolumne lesen: hier
Kolumnenübersicht: hier

10.4.11

Keine Wertarbeit – nirgends (642)

Geht es in den Medien »nur noch um Boulevard, Billigjournalismus und Gefühlsthemen«? Nein: Es existiert noch eine letzte kleine Insel des »Qualitätsjournalismus«; der FOCUS...

Er setze auf »Qualitätsjournalismus«, und zwar »bewusst«. Betont Wolfram Weimer im Interview mit der ZEIT. Dieser »Qualitätsjournalismus« sei nicht weniger als – »ein Signal«. Man ahnt: an dieser Stelle erhob er mahnend den Zeigefinger.

Bemerkenswert daran ist nicht, dass der FOCUS-Chefredakteur den  »Qualitätsjournalismus« ausgerechnet seines Blattes lobt, das, so Weimer zu dessen Charakterisierung, ein Thema wie »Technik und Fortschritt« nicht »in erster Linie unter der Maßgabe ›Risiko, Nebenwirkungen, Lobbyismus, Korruption« betrachte, weswegen man schon mal den Klimawandel als Chance hypt (sofern man ihn nicht gleich leugnet oder die Atomkraft zur Lösung des Nicht-Problems heranziehen will), nein: Dieses Geschwafel ist halt Reklame – und auch Reklame hat billig zu sein in der kapitalistischen Murkswirtschaft. 

Wer hat die coolere Sonnenbrille: Kim, der verrückte Diktator, oder Knut der Scheißbär? Egal: Hier geht' um »Qualität«, nicht um »Gefühlsthemen«!

Spannender ist Weimers Aussage darüber, an wen sich das »Signal« richtet, das er mit seinem »Qualitätsjournalismus« auszusenden meint: Nämlich »auch an all diejenigen, die düster behaupten, es ginge nur noch [sic] um Boulevard, Billigjournalismus und Gefühlsthemen«. Also an den Mainstream in den Management-Etagen deutscher Medienkonzerne, deren Produkte auch nicht anders hergestellt werden als Socken. Und zu exakt dem selben Zweck.

Unterstellen wir für einen kurzen Moment, es stimme tatsächlich; unterstellen wir, der FOCUS produziere »Qualitätsjournalismus«. Dann zeigt sich einmal mehr, dass sich solches Bemühen nicht wirklich rechnet: Die Auflage des FOCUS – das vermag Weimar nicht schön zu schwätzen! – dümpelt dahin. Die FOCUS-Leser, so analysiert Weimer, stehen weniger weit links draußen als diejenigen des SPIEGEL, verdienten zudem besser. Dumm, rechts, wohlhabend, optimistisch – manch einer spricht da auch von Leistungselite. 

25.2.11

Wahn-Import aus USA

Ist der Klimawandel allein schon deshalb Objekt eine Schwindels, weil die Winter ja – angeblich – immer kälter werden? In den USA sind Sarah Palin und ihre Tea Party dieser Überzeugung. Nun schwappt der Wahn über'n großen Teich. Dem Klimatologen Stefan Rahmstorf schwant: »Es winkt die RWE-Lobby«

Rasanter Vortrag über »rasenden Stillstand«

Kleiner Medientipp: Der Soziologe Hartmut Rosa referiert über unseren beschleunigten (Arbeits-)Alltag, der in »rasenden Stillstand« mündet. Kluge Analysen, gute Pointen, Kapitalismus-Skepsis, Selbstironie – einziges Problem: Rosa trägt ein bisserl arg rasant vor.

23.2.11

Keine Wertarbeit – nirgends (638)



Journalismus auf WELT-Niveau: Bauernregel-Experte als Kronzeuge gegen Klimaforscher

Während Springers BILD sich dumm und dämlich verdient an ihren ebensolchen Lesern (egal ob für oder gegen Guttenberg: zu berappen sind 14 Cent pro Anruf, »Mobilfunk deutlich teurer«), macht Springers WELT in Sachen »Klimaskepsis«.

Das Blatt verspottet »jene Klimaforscher, die besonders lautstark vor der tendenziellen Erwärmung der Erde warnen«, ganz so, als könne nur irre sein, wer den Klimawandel nicht für ein Hirngespinst hält.

WELTs Kronzeuge? Pardauz: Ein »Berliner Meterologe«, »der die statistische Zuverlässigkeit der Bauernregeln untersuchte«. Der also hochgradig kompetent ist – wie die Bauernregel des Tages belegt, an dem der WELT-Artikel erschien:


Die WELT ist übrigens traditionell defizitär; subventioniert wird sie aus BILD-Einnahmen. Und so finanzieren die Deppen des Proletariats mit ihren Groschen nicht nur die eigene Weiter-Verblödung, sondern auch diejenige der Deppen von WELT.

14.2.11

Keine Wertarbeit – nirgends (635)



Oliver Mommsen (aka »Kommissar Stedefreund«) über suboptimale »Tatort«-Produktionen dank allzu knapp bemessenem Budget

4.2.11

Keine Wertarbeit – nirgends (630)

... insbesondere nicht im privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehen

Ich besitze bekanntlich kein TV-Gerät – und habe vor einiger Zeit die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) verklagt, weil sie mir in uncharmant formulierten Anschreiben vorwirft, dies sei doch der Fall. Wäre ich Eigentümer eines Fernsehers, so flöge er genau in diesem Moment aus dem Fenster. 

***

Kleine Schundschau vom heutigen Tage: Mario Barth – der Weltrekord-Furzkissen-Imitator und Privat-TV-Star – beansprucht »geistige Eigentumsrechte« für einen unterirdischen Kalauer, den er geklaut hat und den zu referieren ich nicht über's Herz respektive über die Galle bringe. Streitwert: 100.000 Euro.

Der einst international erfolgreiche, aber mittlerweile irre Schauspieler Mathieu Carrière begab sich in den RTL-Dschungel. Schlagzeile danach: »Carrière bezeichnet Sarah als ›Ghettoschwein‹«. Wer diese »Sarah« sei? Eine Dame, über die unsere lokale Boulevardzeitung berichtet: »Sarah Knappik: Über eigenes Geplapper erstaunt. Jetzt will sie ins Fernsehen«.

***

Und die Öffentlich-Rechtlichen? Die ARD strahlt eine Mischung  aus »Traumschiff« und »Traumhochzeit« aus – selbst die Ruhrpott-Monopolpostille WAZ spricht von »sinnlosem Geschwafel« (und sie kennt sich in diesem Sujet aus aus, man lese nur mal ihre Lokalteile!). Des Blattes Fazit: 

Die ARD sollte ihr »Hochzeitsschiff« schnellstmöglich vor den nächsten Eisberg setzen – und demnächst lieber den privaten Sendern das Feld der seichten Unterhaltungsshows überlassen. 

Rückblick: Zumindest ein Drittes Programm aus der ARD-Familie, nämlich der SWR, gibt offen zu, mit »Infotainment und unterhaltsamen Formen« statt allzu Niveuvollem das »Milieu« der »bürgerlichen Mitte« zu umwerben. Derweil kämpfen freie Mitarbeiter des WDR für ein besseres Programm. Weil sie ihre eigene Schund-Arbeit nicht mehr ertragen.

***

Bitte vollenden Sie den folgenden Satz selbst: Ziemlich exakt 27 Jahre, nachdem das »duale Rundfunksystem« in Deutschland eingeführt wurde, indem den (von Helmut Kohl als zu kritisch empfundenen) öffentlich-rechtlichen TV-Sendern private an die Seite gestellt wurden, ist das allgemeine Niveau des Fernsehprogramms an einem Punkt angekommen, an dem...

***

Das alles ist kein rein deutsches Problem: Raab und Co – beliebte Exportschlager überschreibt die SÜDDEUTSCHE ihren Text über »Deutsche TV-Formate im Ausland«. Tja: »Die Nachfrage nach deutschen Serien, Filmen und Shows wie Schlag den Raab wächst und wächst.« Insbesondere steige »der Bedarf an leichter Kost«.

1.2.11

Keine Wertarbeit – nirgends (628)

Spitzen-Journalist der FRANKFURTER ALLGEMEINEN kredenzt ungewürzten rohen Tofu – 62,5 Prozent der Kollegen finden dessen Nicht-Geschmack okay bis lecker

Der Ressortleiter »Wissenschaft« jener Zeitung, hinter der laut Eigenwerbung »immer ein kluger Kopf« steckt, hat sich eigenfüßig ins Reformhaus begeben, schlecht beraten lassen, Tofu gekauft und diesen unzubereitet, ja nicht einmal gewürzt kredenzt.

Worüber soll man sich mehr wundern: Dass Jörg Albrecht mühsam ein Geschäft auftut, dessen Tofu-Angebot schlechter ist das in jedem Tante-Emma-Laden im Landkreis Soltau-Fallingbostel, sodann Genpanscher lobt, Öko-Landwirtschaft basht und allerlei Halbwahrheiten aus dubiosen Quellen zusammen trägt; sich also verdammt viel Arbeit macht mit seiner »Erkundung auf den Spuren der Sojabohne« – aber nicht ahnt, weiß oder heraus findet, dass Tofu mariniert und gebraten und zu einem ordentlichen Mahl verarbeitet gehört?
Oder soll man eher erstaunt sein, weil 62,5 Prozent seiner Probanden – allesamt FAZ-Kollegen! – den rohen Tofu »ohne allet« (Tana Schanzara) auch noch »lecker« oder zumindest »o.k.« finden? Tofu als solcher ist bekanntlich annähernd geschmacklos.

Unsere Eliten, deren Blatt, dessen Schreiber – komische Bagage.

22.1.11

Keine Wertarbeit – nirgends (623)

Wo sind nur die all guten rechten Kampfschreiber geblieben? Statt ihrer bekämpft nun DIE ZEIT »den Kommunismus«:

Gesine Lötzsch jedenfalls lässt sich in der Aussprache von ihrem Fraktionsvize Ulrich Maurer vertreten. ... Lediglich eine Handvoll Linkspartei-Abgeordnete hat Platz genommen. Auffällig viele Frauen unter ihnen tragen knallrote Blazer. Rot ist auch die Farbe des Kommunismus, aber das ist sicher nur ein Zufall. ... Das Häufchen Linke klatscht demonstrativ von seinen Plätzen.

Moment: Unter einem »Häuchen Linke«  sind »auffällig viele Frauen«, die einen roten Blazer tragen? Wie viel werden es sein: zwei, drei, gar vier? Nee, dann doch mehr. Ist halt insgesamt ein vergleichsweise großes »Häufchen«...

Die ZEIT ist ein bürgerliches Blatt. Der leichte Mangel an Exaktheit ist sicher nur ein Zufall.

19.1.11

Keine Wertarbeit – nirgends (622)

Entenjagd in Nordrhein-Westfalen – nur jagt eine Ente die andere.

Der Verfassungsgerichtshof hat gestern den Nachtragshaushalt durchaus nicht »gekippt«. Ist der Sonderetat verfassungswidrig? Muss er von der dritten Gewalt gestoppt werden? Alle mal herhören: In der Sache ist noch nichts entschieden!

Die Münsteraner Richter untersagen der Regierung nämlich nur, weitere Kredite aufzunehmen. Umschichtungen innerhalb des Haushaltes bleiben möglich. In der Hauptsache fallen die Würfel erst im launischen Monat April.

Sozialdemokraten und Grüne reagierten betont gelassen. Eng wird es für Rot-Grün nämlich erst dann, wenn das Gericht in der Hauptsache im Sinne der schwarz-gelben Kläger entscheidet – und den gesamten Nachtragshaushalt für verfassungswidrig erklärt.

Gewiss, über »denkbare« (»WAZ«, »Rheinische Post«, »Spiegel«, »Welt« u.v.a.) Neuwahlen kann man immer spekulieren. Auch jetzt schon. Aber an Neuwahlen haben nur die Grünen ein Interesse. Die SPD würde sie notfalls akzeptieren.

Doch fehlt den beiden Parteien eine Stimme zur Landtagsmehrheit – auch dann, wenn das Parlament über seine eigene Auflösung befinden muss. Indes haben die anderen Fraktionen – CDU, FDP, LINKE – bei einem erneuten Urnengang nichts zu gewinnen.

Nüchtern betrachtet: Schwarz-Gelb hat einen Teilsieg errungen, Rot-Grün eine Teilniederlage erlitten. Aber Gleiches gilt auch umgekehrt. Der Rest ist Abwarten.

Zuerst veröffentlich in der Tageszeitung NEUES DEUTSCHLAND. Mein dazu gehöriger Bericht: In NRW bis April Kreditaufnahme gesperrt

7.1.11

Keine Wertarbeit – nirgends (619)

Die ZEIT glaubt, ein neues Phänomen ausgemacht zu haben. Und sie teilt es uns brühwürfelwarm mit: »Auch bei den Linken gibt es jetzt Bands, die mit Musik zur Gewalt aufrufen.« 

Jetzt? Halten zu Gnaden, liebe ZEITler: Die Bullen-und-Nazis-aufs-Maul!-Songs sind unverzichtbarer Bestandteil des Repertoires jeder Zweieinhalb-Akkorde-Punkband. Seit 1977. Fünf Jahre vorher sang Ton, Steine, Scherben: »Macht kaputt, was Euch kaputt macht!«. Und der Aufschrei generierte gar reale Gewalt gegen unschuldige Tische.

Nichts Neues unter der Sonne also! Die geschrammelte »Hassmusik« (ZEIT) ist, war und wird eines gewiss nie: politisch, geschweige denn mehr als pseudo-links. Man könnte das wissen, alternativ: recherchieren.

13.12.10

Keine Wertarbeit – nirgends (610)



CSU-Chef, Ministerpräsident des PISA-Spitzen-Bundeslandes, mehrfacher Ex-Minister auf Bundesebene, zu blöd, eine siebenstellige Zahl korrekt vom Blatt abzulesen: Horst Seehofer.

8.12.10

Mehr Bürgerbegehren in Deutschland?


»Stuttgart 21« gilt seit der Schlichtung als neues Beispiel für mehr Transparenz. Aber bedeutet dies auch, dass es künftig mehr Bürgerbegehren geben sollte? Moderator Roger Horné diskutierte am 6. Dezember mit seinen Gästen Marcus Meier (Neues Deutschland), Martin Bewerunge (Rheinische Post), Christian Schlesiger (WirtschaftsWoche) und Matthias Kietzmann (FOCUS).

Die Sendung anschauen: hier 
Anmerkungen zur Sendung: hier

7.12.10

Keine Wertarbeit – nirgends (608)

Hatte ja gestern Abend meinen ersten Auftritt als Gast einer Talkshow im Fernsehen. Eigentliches Thema des NRW PRESSETREFF: »Mehr Bürgerbegehren in Deutschland?«. Wir debattierten aber insbesondere – Aufhänger war Stuttgart 21! – über die generelle Entwicklung der Deutschen Bahn AG, früher bekannt als »die Bundesbahn«. Und über den Einsturz des Kölner Stadtarchivs.

An einem Punkt warfen mir die Kollegen von RHEINISCHER POST, WIRTSCHAFTSWOCHE  und FOCUS Unseriosität vor: Weil ich gewagt hatte, auf den massiven Stellenabbau in den Bauaufsichtsbehörden hinzuweisen. Und das in den Kontext »neoliberaler Sparwahn« stellte. Der RP-Kollege sprach gar von einer Verschwörungstheorie. Ich kann nur sagen: Ich habe mit Leuten vom Fach gesprochen. Und die sagten mir: Es muss eine permanente Kontrolle geben, da muss regelmäßig jemand auf die Baustelle kommen und sehen, ob die Vorgaben umgesetzt wurden. Das findet aber nicht mehr statt. Aus gegebenem Anlass erlaube ich mir auch, diesbezügliche Recheergebnisse zu wiederholen:

Kölner Klüngel baut »mit Sicherheit«

Zu wenig und zu billiger Beton, fehlende Sicherheitsbügel, nicht im Erdreich verankerte Stützwände, gefälschte Messdaten – beim Bau der Kölner U-Bahn wurde massiv geschlampt. Das in der Kritik stehende Unternehmen liefert auch Technik für Atomkraftwerke. Experten klagen: Auf dem Bau und in der Bauaufsicht herrsche generell eine »Geiz ist geil!«-Mentalität.

[...] Geht also mal wieder alles seinen Kölschen Gang? Ja und nein. 3,5 Milliarden Euro Schaden entstehe in Deutschland durch Pfusch am Bau. Und zwar jährlich, so der aktuelle Bauschadensbericht der Bundesregierung. Chaotische Baustellenverhältnisse und Pfusch nähmen immer größere Ausmaße an, klagte die Bundesvereinigung der Prüfingenieure für Bautechnik bereits 2001. Deren Geschäftsführer legte im letzten Jahr noch eine Schippe drauf: Bauaufsichtliche Tätigkeiten, so Manfred Tiedemann, seien zurück gefahren worden. Die Gründe: »Deregulierung und Liberalisierung der Märkte«, ferner der »Druck auf die Verwaltungen, Kosten einzusparen«.
Tiedemann machte eine »Geiz ist geil«-Mentalität aus. Die herrscht auch in den Chefetagen deutscher Bauunternehmen. [...]

Den ganzen Artikel lesen: hier. Und falls Sie die Sendung gesehen haben sollten (da wird die Aufzeichnung in den nächsten Tagen zu sehen sein): Hier sind meine Texte zum Thema elektronische Demokratie. Dort können Sie das Foto von der Zugtoilettentür entdecken, die ich erwähnte. Hier wartet der Text zur äußerst mangelhaften Instandhaltung deutscher Bahngleise. Unter anderem da, da, da, hier, da, dort und da finden Sie einige Texte zum Sparwahn bei der Börsenbahn. Dieses Posting dreht sich um die Folgen der Privatisierung eines anderen, aus guten Gründen einst staatlichen, aber dennoch privatisierten Konzerns.

3.12.10

Keine Wertarbeit – nirgends (605)

Ente gut, alles gut: Medien und Agenturen leisten sich eine hübsche Fehlanalyse in Sachen NRW-Nachtragshaushalt. 

»Linke im Landtag NRW will sich erwartungsgemäß der Stimme enthalten«, »Linken-Vorstand und -Fraktion für Enthaltung«, »Partei blockiert rot-grünen Etat nicht« – solche Meldungen kursierten gestern im Internet, liefen über die Agenturticker. Wird die Linksfraktion also den Weg frei machen für den rot-grünen Nachtragshaushalt, den sie seit Wochen kritisiert, für den sie Nachbesserungen fordert? Und das ohne weitere Verhandlungen? Nicht unbedingt, wie ich herausgefunden zu haben meine. Nachzulesen da.

1.12.10

Keine Wertarbeit – nirgends (604)

Autoritäre Techniktrottel regieren das Land. Nun wollen sie auch das Internet, tja, beherrschen

Thomas de Maizière will sich zum Herren des Internets aufschwingen. Web-Veröffentlichungen möchte er gelegentlich »unterbinden«. Zum Beispiel dann, wenn Menschen in »ehrverletzender Weise« beschrieben oder abgebildet werden. Notwendig, so der Bundesinnenminister, sei »ein breiter Ansatz, der das gesamte Internet einbezieht«.

Das ist autoritär und techniktrottelig. 

Erstens: Wer hat die Definitionsmacht über Begriffe wie »ehrverletzend«? Zweitens: Wer würde real geschützt, wer kann sich Klagen leisten – außer vielleicht (Polit-)Promis? Drittens droht eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Abmahnanwälte, die auch und gerade Otto Normalblogger betreffen würde. Viertens: Wie will der Minister Daten-Löschungen durchsetzen? Das würde jene »Infrastruktur... für eine umfassende Zensur« voraussetzen, vor der der Bundesdatenschutzbeauftragte bei früheren Gesetzesplänen warnte.

Fünftens fügen sich die jüngsten Pläne in ein Gesamtbild – und das zeugt eben nicht vom »Schutz des Persönlichkeitsrechts« im ansonsten freiem Internet (de Maizière): Die Union will Telefon- und Internetnutzungsdaten umfassend speichern – von jedermann, ohne konkreten Tatverdacht. Schwarz-Gelb etabliert gerade einen »Jugendmedienschutz-Staatsvertrag«: Auch private Webseiten müssen eine Alterskennzeichnung (»ab 16«) vornehmen. Wird die von der Obrigkeit als falsch bewertet, drohen Strafen. Braucht bald jede kleine Webseite einen eigenen Anwalt? Schon gehen erste Qualitätsblogs offline.
Die Anforderungen seien einfach nicht zu erfüllen. In Bayern musste ein Künstler unlängst eine mehre tausend Euro schwere Geldstrafe bezahlen, weil er seine im Internet ausgestellten Bilder nicht löschen mochte. Seine »Heroin Kids« seien »sozialethisch desorientierend«, befand eine Landesbehörde.

Abgeschreckt werden die anders Denkenden: Sie werden künftig Risiken vermeiden, indem sie öfter mal schweigen. Die Narren-Freiheit der anders Schwätzenden und anders Hetzenden bleibt bestehen – notfalls wandern die Daten der Maniker halt auf Serverrechner in den USA oder der Türkei. Wenn sie nicht längst dort sind.

Keine Wertarbeit – nirgends (603)

Die TAZ pennt: Fordert einen Bürgerhaushalt für deutsche Städte (wie Stuttgart). Nach brasilianischem Vorbild (Porto Alegre!). Schwere Pathos-Kanone: 

Es ist Zeit für eine neue Politik. Es ist Zeit für die Einführung von Bürgerhaushalten.

Wäre gut, fürwahr. Ist aber nicht wirklich neu: Es gibt auch in Deutschland längst Bürgerhaushalte – zum Beispiel in Köln (die Erfahrungen beschreibe ich hier). Aber nicht mehr in Porto Alegre, das die TAZ zum großen Idol hochjazzt. Von dem die TAZ schwärmt: Dort sei »in den letzten 20 Jahren Unglaubliches erreicht« worden.