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2.11.12

Prophetie, nicht Ironie...

Einige ironische (und hoffentlich nicht schooooon wieder prophetische) Anmerkungen zum iPad mini

»Welcher menschenfreundliche Konzern schließt eigentlich eeeendlich die klaffende Lücke zwischen Smartphone und Tablet-Computer? Immerhin wären Situationen konstruierbar, in dem Ersteres zu klein, Letzterer aber zu groß ist!«, schrieb ich Ende Oktober 2010. Und hielt für Ironie, was sich als bloße Prophetie erweisen sollte. 

Prophetie? In diesen Tagen bewirbt Apple sein iPad mini mit der schlichten Kaufanweisung: »Es ist da.« Womit die vom mir skizzierte »Lücke« tatsächlich geschlossen wäre. Derweil stellen Google/Samsung und Microsoft neue Tablet-Modelle vor, die nicht ganz so mini sind. Und worum ging es in meinem Text? Darum:


Immer mehr Elektrospielzeug. Immer mehr Produkte von ungeheurem Nutzen – wie konnte die Menschheit nur Jahrtausende lang darbend ohne sie überleben? Immer mehr geniale Innovationen, immer kürzere Produktzyklen, immer Neues. Neues! Neues. Gigatonne um Gigatonne. Dazu: Der bewusste Verzicht auf »Überqualität« und überlange Lebensdauer, die uns ja doch nur den Spaß am nächsten Neukauf verderben würden. Bittschön, keine Frage nach dem Sinn des rasanten Träumlein-wechsel-Dich-Spiels, in dem das Musst-Du-Haben-Produkt von heute zugleich der Elektroschott von morgen ist, weil dann das brandneue, selbstredend revolutionär andere Musst-Du-Haben-Produkt gekauft werden will.

Sodann ging es um bereits bestehende (Metalle der Seltenen Erden!) und künftige Rohstoffengpässe, an denen selbstverständlich nicht ein völlig irrationales WIrtschaftssystem, sondern der Chinese schuld sein soll. 

Übrigens ist jetzt eine neue Lücke zu konstatieren: Zwischen dem iPhone mit seinem Vier-Zoll-Display und dem iPad mini (7,9 Zoll). Meine Prognose: Das iPhone maxi wird knapp sechs Zoll groß sein.

22.8.11

Keine Wertarbeit – nirgends (643)

Die Partei der skrupellosen Deppen und depperten Skrupellosen hat ein neues Wort kreiert: Lebensstil-Intoleranz – so heißt jetzt jegliche Skepsis gegen das eklige Geprotze der FDP-Klientel, und zwar insbesondere dann, wenn deren Luxuskarren brennen. 

Womit eine neue Phase im Konsumklassen-Kampf eingeleitet wäre: Die Unterschicht möge doch, bittesehr, klaglos akzeptieren, dass es nun einmal auch Profiteure der Murkswirtschaft nebst wirtschaftsliberaler (De-)Regulierung gibt.

Akzeptieren – statt sinnlos zu randalieren oder gar sinnvoll zu rebellieren!

Und damit die Prolls das auch verstehen, rufen die Liberalen in Person ihres Berliner Fraktionsvizes Jotzo nach dem Staat: Ein Angriff auf das Eigentum von FDP-Wählern ist für sie völlig inakzetabel. Sind ja schließlich keine Arbeiter, die erst gefeuert, dann finanziell abgemagert werden, bevor sie ihren Hartz-IV-Antrag stellen dürfen. Sondern reiche Erben und Aktienbesitzer und weiß der Geier was. Jedenfalls keine Sozialschmarotzer, gell?

»Wirksame Konzepte« müssten her, so die kryptische FDP-Forderung. Ich empfehle Herrn Jotzo die Lektüre von Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften besser für alle sind von Wilkinson/Pickett. Nach der Wahl zum neuen Berliner Abgeordnetenhaus werden die Damen und Herren Liberalen ja wohl viel Zeit  zum Lesen haben.


15.6.11

Solar-Sarrazin mit WLan-Zugang

Fehlt noch im Repertoire der internetfähigen Mobilgeräte: der iThilo. 38. Folge meiner Kolumne Linke und Technik…! auf neues-deutschland.de

Der Markt hat uns alles gegeben. An Phantasie mangelte es ihm nie: Vom Nick-Neger (ab 84 Euro) über das Hitler-Püppchen zum An- und Ausziehen bis hin zur Fassadenverschattung nach dem Vorbild der Paradiesvogelblume (bald!) – Freund Markt lässt keinen Wunsch offen.

Die Kolumne lesen: hier
Kolumnenübersicht: hier

20.3.11

100 Prozent Ökostrom? 100 Prozent EnBW!


Neues von der Gutes-Gewissen-Industrie: Extrem-Greenwashing ist, wenn ausgerechnet die Atomstromer vom Anti-Atom-Trend profitieren wollen 

»Strom aus 100 % Wasserkraft«, »Computer an. CO2-Emissionen aus«, »Ökostrom« – so wirbt die NaturEnergie+ Deutschland GmbH für ihre Dienste. Unter anderem fett bei SPON. Der farbliche Hintergrund der Reklame erinnert uns gar an Recycling-Papier.

Doch beschweigt das Unternehmen aus 79618 Rheinfelden ein vielleicht nicht ganz unwesentliches Detail: Es ist ein gemeinsames Tochterunternehmen von zwei Töchtern* des Energie-Oligopolisten EnBW – doch und der ist »wie kein anderer Energieversorger in Deutschland abhängig vom Atomstrom«. 

Die beiden Wasserkraftwerke, aus denen der »100% Ökostrom« kommt, wurden 1914 (Laufenburg) und 1898 (Rheinfelde) in Betrieb genommen. Das heißt: Strom aus uralten Anlagen wird unter neuem Label teurer vermarktet. Echten Ökostrom finden Sie hier: www.atomausstieg-selber-machen.de

* Jeweils 50 Prozent der Anteile halten die EnBW Vertrieb GmbH und die Energiedienst Holding AG, letztere »eine Beteiligungsgesellschaft der EnBW Energie Baden-Württemberg AG«.

28.2.11

Keine Wertarbeit – nirgends (640)

Idealtypisch billig auf Kosten von Kunden, Mitarbeitern und Umwelt: Ryanair

Motzt gegen Regulationen und Steuern, hat aber nichts gegen indirekte Subventionen einzuwenden, wettert wider »diese verrückten Richtlinien, wegen derer wir Entschädigungen zahlen müssen, wenn ein Flug ausfällt« und die »Umweltlobby«, bestreitet den Klimawandel, rechtfertigt Gebühren selbst für Toilettennutzung und sagt: »Die Umwelt interessiert mich einen Dreck« – der Boss der zweitgrößten Fluggesellschaft Europas, übrigens eine gewerkschafts- und weitgehend arbeitnehmerrechtsfreie Zone ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, mit einer hohen Leiharbeiterquote und nicht entlohnten Bereitschaftszeiten. Sein Führungsstil? »Warm, mitfühlend, sensibel.« Ändern müsse sich in seinem Unternehmen nix, glaubt Michael O'Leary: »Nein, seit Adam Smith, seit Ende des 18. Jahrhunderts gilt: Unternehmen wachsen, wenn sie die Preise senken.«

25.2.11

Lauter kleine Bhagwans

Folge eins einer kleinen Serie zu den ökosozialen Aspekten der Mobilität im Rahmen meiner Kolumne Linke und Technik…! auf neues-deutschland.de

Keine Gute Idee: Überstunden kloppen, damit auf dem Firmenparkplatz ein besonders luxuriöser PKW auf Dich wartet. Doch ein Betriebsratsboss fordert uns zum Kauf gleich mehrerer Neuwagen auf.

Die Kolumne lesen: hier
Kolumnenübersicht: hier

17.2.11

Keine Wertarbeit – nirgends (637)

Apple bestätigt: Die Arbeitsbedingungen bei unseren Zulieferern sind übel. Doch das sind nicht nur Apples Zulieferer.

Apple-Rechner – der Betreiber dieses Blogs nutzt und lobt sie bekanntlich, auch wenn er Skepsis hegt gegen die Lifestyle-Produkte des Konzerns aus Cupertino, California. Er – und beleibe: nicht nur er! – kritisiert zudem das unsoziale Geschäftsgebahren der Äpfler. Nun meldet die TAZ:


Apple bestätigt Kritiker
Bei der Untersuchung der Arbeitsbedingungen bei seinen asiatischen Zulieferern stößt der IT-Konzern auf Fälle von Kinderarbeit und Schuldknechtschaft

Laut werden zum Teil neue Vorwürfe. Entscheidend ist aber: Die (meist chinesischen) Zulieferer, bei denen Apple schrauben und löten lässt, deren Niedriglohn-Sklaven mitunter in den Tod springen aus Verzweiflung, arbeiten nicht nur für diesen einen Konzern. Auch HP, Dell und wie sie alle heißen lassen dort schwitzen. Nachzulesen in meiner Kolumne Selbstmorde trotz »grünem« Apfel: Ein Blick auf die öko-sozialen Schattenseiten der bunten digitalen Welt.

Ach ja: Zulieferer Foxconn – dort sprangen die Malocher in den Tod – soll Maßnahmen eingeleitet haben, die »definitiv Menschenleben gerettet« haben, zitiert die TAZ einen im Auftrag von Apple handelnden Kontrolleur. Zwar ist von Lohnerhöhungen nichts bekannt. Doch spannte man Auffangnetze  – um tödliche Sprünge zu vermeiden.

1.2.11

Keine Wertarbeit – nirgends (628)

Spitzen-Journalist der FRANKFURTER ALLGEMEINEN kredenzt ungewürzten rohen Tofu – 62,5 Prozent der Kollegen finden dessen Nicht-Geschmack okay bis lecker

Der Ressortleiter »Wissenschaft« jener Zeitung, hinter der laut Eigenwerbung »immer ein kluger Kopf« steckt, hat sich eigenfüßig ins Reformhaus begeben, schlecht beraten lassen, Tofu gekauft und diesen unzubereitet, ja nicht einmal gewürzt kredenzt.

Worüber soll man sich mehr wundern: Dass Jörg Albrecht mühsam ein Geschäft auftut, dessen Tofu-Angebot schlechter ist das in jedem Tante-Emma-Laden im Landkreis Soltau-Fallingbostel, sodann Genpanscher lobt, Öko-Landwirtschaft basht und allerlei Halbwahrheiten aus dubiosen Quellen zusammen trägt; sich also verdammt viel Arbeit macht mit seiner »Erkundung auf den Spuren der Sojabohne« – aber nicht ahnt, weiß oder heraus findet, dass Tofu mariniert und gebraten und zu einem ordentlichen Mahl verarbeitet gehört?
Oder soll man eher erstaunt sein, weil 62,5 Prozent seiner Probanden – allesamt FAZ-Kollegen! – den rohen Tofu »ohne allet« (Tana Schanzara) auch noch »lecker« oder zumindest »o.k.« finden? Tofu als solcher ist bekanntlich annähernd geschmacklos.

Unsere Eliten, deren Blatt, dessen Schreiber – komische Bagage.

31.12.10

Die Macht über die Produkte erobern!

US-amerikanische Bastel-Freaks fordern eine »Reparier-Revolution«. 16. Folge meiner Kolumne Linke und Technik…! auf neues-deutschland.de

Am »Self Repair Manifesto« sollte die Partei DIE LINKE sich mal ein Beispiel nehmen: Eine prägnante Analyse, radikale und doch real umsetzbare Forderungen, klare Sprache, kein öffentlicher Zoff um programmatische Inhalte. Worum geht‘s? Im Kern darum: Verbraucher sollen die Macht über die auf den Markt geworfenen Produkte gewinnen.

Die Kolumne lesen: hier
Kolumnen-Übersicht: hier

23.12.10

Keine Wertarbeit – nirgends (615)

Wenn sie sich an »Heiligabend« (Ratzinger) wundern, warum Braten und Knödel in gusta- wie olfaktorischer Hinsicht ein bisserl merkwürdig wirken: Hören Sie sich das an. Nämlich ein Interview mit Thilo Bode, dem Chef der NGO Foodwatch (»die essensretter«). Wenn Bode über die Nahrungsindustrie redet, fallen erstaunlich oft Worte wie »billige Täuschungsmanöver« und »kriminell«.

15.12.10

Deutschland, Deine Discounter (7)

Fast schon ein wenig selbstreferentiell wirkt der EuroShop im rheinländischen Brühl, der Sammelbüchsen für's professionelle Schnorren anbietet. Die »Haste mal 'nen Euro«-Dose kostet – schmunzel! – exakt einen Euro. Den kann der geschasste SPRUSKO-Malocher – jeder ist seines Glückes Schmied! – sich mit Flaschensammeln verdienen. Danach steht einem erfolgreichen Business nix mehr im Wege. Der EuroShop macht's ja ganz ähnlich:  »Im filialisierten Einzelhandel Nonfood-Artikel in der Einheitspreislage 1 Euro« zu verkaufen – so lautet das Geschäftsmodell. Man will auch »Smart-Shopper der höheren Einkommensklassen« erreichen, schließlich seien die Produkte  »hochwertig und anspruchsvoll«.

27.11.10

Keine Wertarbeit – nirgends (600)

Die Junge Union Köln will Staatsknete – für die Aktion »Saufen gegen Links« in einer Berliner Nobeldisko

Sukzessive werden die staatlichen Zuwendungen für Initiativen gegen Rechtsextremismus gekürzt, mögen die netten Nazis von nebenan auch weiter pöbeln, bedrohen, morden; möge die Zahl rechtsextremer Straftaten auch steigen. Was passiert mit den frei werdenden Geldern? Sie fließen in den Kampf gegen »Extremismen jeder Art« (so der schwarz-gelbe Koalitionsvertrag).

Die Junge Union Köln hat gleich Staatsknete beantragt: Geplant ist eine Hauptstadt-Reise »unter dem Oberthema Linksextremismus«. Die soll auch in die Nobeldisko »Felix« führen. Dass die »Vergnügungsreise des Kölner CDU-Nachwuchses auf Steuerzahlers Kosten« erfolgen soll, erzürnt Freund, Feind und Lokalpresse.

»Wir hoffen auf ein paar hochinteressante Tage«, heißt es derweil auf der Webseite der Jungschwatten. Interessant wird's wohl werden – es sei denn, der Türsteher ruft »No pasaran!«, weil ihm die Schmierlappen aus der Provinz zu unhip erscheinen.

Es ist übrigens nicht die erste Saufen-gegen-Links-Aktion der Kölner JU: Mitte August bauten die Politchristen eine Backsteinmauer vor dem Landtag auf, stellten ein Bett daneben, plädierten für Studiengebühren sowie Optimismus  – und kippten Altbier, um die Ernsthaftigkeit ihrer Anliegen zu unterstreichen.

Duisburger JUler zechen lieber gegen zu viel Feminismus – sexuelle Belästigung eingeschlossen. Offizielles »Oberthema« dieser »bildungspolitischen Fahrt«: Besuch beim lokalen Abgeordneten im Bundestag.
 
Extra-Content
Die zehn schönsten Saufbilder von erfolgreichen Veranstaltungen der Jungen Union Köln: 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1

 

13.10.10

Keine Wertarbeit – nirgends (584)

Jetzt im Visier der Shoppend-den-Planeten-retten-Apostel: Der Porsche-Fahrer (demnächst als aufgeklärter Verkehrsteilnehmer radelnd)

Ein neues Kapitel des Buches »Der Verbraucher wird's schon richten!« wurde aufgeschlagen. Diesmal sollen Porsche-Käufer den Planeten retten. Doch dafür müssen sie (wir kennen das Grundproblem!) natürlich gut informiert sein. Sind sie aber nicht, wie die FRANKFURTER ALLGEMEINE weiß:

Porsche verliert Prozess gegen Umwelthilfe Porsche hat in seinem Kundenmagazin nicht auf den Kohlendioxidausstoß seiner Sportwagen hingewiesen und muss deshalb eine Strafe von 20.000 Euro zahlen.

Porsche-Fahrer sind in der Tat eine gute Zielgruppe für all jene, die das Fehlverhalten des Verbrauchers als Hauptursache aller Probleme ansehen. So schluckt der Porsche Cayenne Turbo S  bei Vollgas 66,7 Liter Sprit pro hundert Kilometer. Das »SUV-Monster« (SpOn) hat auf der selben Strecke einen Kohlendioxid-Ausstoß von 19,3 Kilogramm. Und ist damit der absolute Champion in Sachen Klimakillen per Gaspedal. Er wird aber als Effizienzvorbild vermarktet.

Hübsche Vision: Künftig wird der Porsche-Fahrer, dann bestens informiert über die Schändlichkeit seines Tuns, sofort zum Lohas mutieren. Und ganz aufgeklärt auf andere Statussymbole setzen – zum Beispiel das ebenfalls nicht ganz billige tazrad gold (was denn sonst:) kaufen. Atme auf, Planet!

Im Kontext:
Wunder der Warenwelt: Umweltschonende Porsche

5.2.10

Wunder der Warenwelt:
Öko-ikonische Innovationen


Mag die Marktwirtschaft im Großen auch nicht ergrünen, im Kleinen macht sie erhebliche Fortschritte. Die britische Firma LoveHoney beispielsweise hat ein Programm zum Recycling ihrer Sexspielzeuge gestartet: Man werde abgenutzte Vibratoren sorgfältig entsorgen, verspricht das Unternehmen, und sicher stellen, dass davon „so viel wie möglich recycelt“ werde. Außerdem bekomme der Einsender einen neuen Freudenspender der Marke Rabbit zum halben Preis.

Rabbit Amnesty heißt die Rabbit-Rabatt-Aktion. In den USA gibt es derweil menschgemachten Ökostrom: Dynamos an Trimm-Dich-Rädern erzeugen Elektrizität. Zunächst in der Fitnesskette Green Microgym, wo jeder Radler einen Ein-Meter-Fernseher mit einer hinreichenden Menge Strom versorgt.

In London sind sie schon den einen oder anderen Schritt weiter: Dort wird, zunächst in einem Testgebiet im Osten der Metropole, die Trittenergie von Fußgängern in Strom verwandelt. Mit der können dann Straßenlaternen betrieben werden. Die Sicht auf den Weg entsteht also beim Gehen – beziehungsweise beim Betreten grün gefärbter Borsteinplatten. Für die „öko-ikonische Innovation“ (livegreenstyle.com) werden noch Investoren gesucht. Interessenten melden sich bitte bei der Firma pavegen systems.

Mehr Wunder der Warenwelt? Hier!

24.1.10

Keine Wertarbeit – nirgends (514)

... auch nicht im Oberschichten-Fernsehen


Was macht die bürgerliche Mitte eigentlich am Ende des harten Tages? Wie entspannt sich das Rückgrat unserer Gesellschaft, wenn all die Leistung getragen ist? "Bürgerlichkeit ohne Bildung ist undenkbar", glaubt der oben zitierte Liberale. Also: Goethe, Bach und arte das Gute, Wahre, Smarte?

Hang zum Banalen
Nee, die bürgerliche Mitte zieht es offenbar zum Banalem. In der Politik, schließlich wählt sie FDP, die Frei-wie-ein-Hai-und-Spaß-dabei-Partei, die Mövenficker und Markt!-Schreier. Im Buchregal unterhalten sich die 1000 ganz legalen Steuertricks mit den Marketing-Märchen aus 1001 Nacht.

Aber auch in Fragen des TV-Konsums präferieren die Damen und Herren (Klein-)Bürger offenbar nicht allzu Anspruchvolles. Das geht aus einem internen Papier des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders SWR hervor, der sein Programm künftig stärker an
eben! der bürgerlichen Mitte ausrichten will und daher Medienforscher konsultierte, um mehr über die neue Zielgruppe zu erfahren.



Willkommen, Boulevard, ade, Fachidiot!
Das Ergebnis der Konsultationen laut SPIEGEL: Die Elite will "Gesprächs- und Nutzwert" statt "Information-Overload". "Telegene Experten" statt "Fachidioten". Und "Regionalboulevard-Formate" statt halbwegs solider Information. Man hat klare Ansprüche ans Bewegtbild-Personal: Hübsch anzuschauen soll es sein; ob es ahnt, wovon er schwätzt, ist belanglos. Unsere Eliten wollen am nächsten Morgen ein wenig mitlabern können, aber obenrum nicht überfordert werden. Wobei der Rubikon des Schmerzes schnell überschritten ist.

Unterhaltung? Bitte nicht zu intellektuell!

Was die Unterhaltung betrifft, so setzt man auf die Mario Barths dieser Welt. Weswegen Mathias Richling, der, ähm, knallharte Haus-Satiriker, sein Format "kurzfristig" überarbeiten muss. Zwerch trifft Fell, so heißt das Format schon jetzt, und überfordert dennoch die elitäre Zielgruppe. Weil:

Der angestrebte Zuschauer sei "stark an Witz und Humor orientiert, weniger an intellektueller Satire, Kabarett pur oder schrägen Late-Night-Formaten", wird analysiert. Deshalb sollen "neue, witzige Humor-Formate" den Weg ins Programm finden: "sketchbasiert, bodenständig und lustig".

Das Rückgrat unserer Gesellschaft biegt sich also vor Lachen über nicht Intellektuelles. Spätestens jetzt ahnen wir, wo schwarz-gelbe Wahlerfolge ihren Ursprung haben.

Bildungsbürgertum war gestern
Die Leistungsträger gleichen, jenseits der Kontobewegungen, also nicht dem klassischen Halbbildungsbürgertum, sondern der oft geschmähten Klientel des Unterschichts-TV.
"Für diese Gruppe Angebote zu entwickeln", meint SWR-Chefredakteur Fritz Frey, sei eine Herausforderung. Eine Herausforderung, der sich der SWR gerne stellt, möge es auch das letzte Fitzelchen Substanz und Anspruch kosten.

30.11.09

So können auch LOHAS sparen:


Die "extra wärmende Kamindecke aus reiner Öko-Schafwolle" aus dem TAZ-Shop (dort 249 Euro kostend) gibt's auch im kleinen Warenhaus des GREENPEACE MAGAZINS. Dort ist sie aber 63 Euro billiger und heißt "Kamindecke rohweiß". Und es gibt noch'ne kostenlose Reportage extra. Wir sehen: Auch beim moralisch schwer aufgeladenen Luxuskonsum kannst du prima sparen. Drum: Augen auf beim Ethikkauf!

27.11.09

Konsumklassenkampf revisited:
»Schickeria-Produkte« im TAZ-Shop


Robin Hood ist jetzt ein Vertriebs-Mitarbeiter. Und handelt mit Rudi Dutschkes Pullover. Aber wer profitiert davon: Die Reichen oder die Armen?

Interessante Debatte im Hausblog jener Tageszeitung, die sich schlicht "die tageszeitung" nennt: "
Warum ist der taz-Shop voller Schickeria-Produkte?"

Das wissen will Leser Severin Michel aus der bayrischen Landeshauptstadt. Denn einige Produkte, mit denen die TAZ ihre Einnahmen aufbessert, hatten Michels Missfallen erregt. So die
Kamindecke aus reiner Öko-Schafwolle für 249 Euro, die Parmesanreibe aus rostfreiem Edelstahl für 30 Euro, der Gürtel aus gebrauchtem Feuerwehrschlauch mit Koppelschnalle für 39 Euro und das Tourenrad mit 8-Gang-Schaltung für 1.599 Euro.

Kurzum: Da sind viele Dinge im TAZ-Shop, die "nur die neureiche bürgerliche High-Society als Zielgruppe ansprechen", wie Severin Michel moniert. Die TAZ sieht das naturgemäß anders: Die Kamindecke sei "Teil des Solidarmodells" des Blattes, das es auch ärmeren Lesern ermögliche, die TAZ zu lesen. Diese steile These wird, wenn auch unfreiwillig, höchst amüsant begründet.



Wenn ich alles richtig verstanden habe, geht es darum, die Reichen auszunehmen, indem man ihnen überteuerte Produkte andreht. Um dann das Geld an die Armen weiter zu leiten. Robin Hood sitzt jetzt im Vertrieb. Ein genialer Schachzug im Klassenkampf? Meine Analyse ist eine andere. Die TAZ firmiert als Zentralorgan für den Linken von gestern. Der sich beim Kohlescheffeln und -verpulvern dann doch irgendwie als Mensch des Fortschritts wähnen und entsprechend wohl fühlen will. Ohne dabei Schlips und Kragen zu riskieren.





Teuer verkauft wird also die längst industriell hergestellte Ware namens "gutes Gewissen". Noch besser als mit Öko-Kamindecken gelingt das übrigens mit dem TAZ-Journal zum Mythenjahr Neunzehnhundertachtundsechzig: "Dutschke und Du" versöhnt die TAZ-Zielgruppe mit dem Studentenführer. Über die Inhalte (kurz gefasst: Revolution, Rätedemokratie, Sozialismus)? Nee, über Uns' Rudi seinen legendären Pullover, der umstrichelt abgebildet wird und dergestalt zum Ausschneiden und Weiterbasteln einlädt. Dabei war er nicht mal aus Öko-Baumwolle...



Völlig aus obigem Argumentations-Rahmen fällt mein persönlicher TAZ-Shop-Favorit: die Fischgrätenpinzette CHROMA. Von der heißt es, sie eigne sich "besonders für Fischliebhaber" und nicht etwa für Fischverächter. Wird schon stimmen.

Im Kontext:


14.10.09

LOHAS: "Ende der Märchenstunde"

Endlich: Ein Buch attackiert die "Ethik"-Konsum-Schickeria

Ich, der ich die LOHAS-Freaks gerne en passent verspotte [1] [2] [3] [4] [5] [6], ich freue mich natürlich, wenn jemand sich dem Thema einmal systematisch widmet. Daher freue ich mich, eine Überschrift wie diese zu lesen: Bibel der Anti-LOHAS erschienen.

Japp: Offenbar geht es jetzt den eitlen, sich als bessere Menschen wähnenden, völlig apolitischen Konsumklassenkriegern an den grünlichen Kragen: "Ethik-Schickeria", "Narzissmus", "Genusselite", "'Kauf dir eine bessere Welt'-Mentalität" sind nur einige der Begriffe, mit denen Autorin Kathrin Hartmann die LOHAS-Szene belegt.


Letztere interessiere sich herzlich wenig für Armut und Missstände, sei es hier, sei es anderswo. Denn: Gegen die "gibt es ja auch kein richtiges und schickes Produkt, das man kaufen und genießen kann". Stattdessen zementiere der LOHAS-Trend die Verhältnisse in der Welt. Ich nicke heftig, auch wenn ich Hartmanns Buch "Ende der Märchenstunde" noch nicht gelesen habe. Die Verlagsankündigung jedenfalls klingt viel versprechend.

Und noch ein kleiner Nachtrag: In der Szene gilt es offenbar als hip, um den halben Planeten zu jetten, damit man sich Naturschutzprojekte am anderen Ende der Welt anschauen kann. Praktisch: Eines der Zentralorgane der LOHAS wird im Flughafen-Zeitungshandel verkauft. Natürlich (lo)hasst man all die schnöden Asis, die beim grünlich getünchten Luxuskonsum nicht mithalten können. Dass deren Ökobilanz, so ganz ohne klimakillende Fernreisen, weitaus besser ausfallen dürfte
wurscht.

4.9.09

Keine Wertarbeit – nirgends (432)

... insbesondere nicht bei den Herstellern von Luxus-Waren. Sie investieren eher in wohl klingende Namen denn in Produktqualität. Was den Kunden offenbar egal ist

Das hundsgewöhnliche Polohemd mit dem Krokodil, das technisch überfrachtete Mobiltelefon mit dem Apfel, das Handtäschchen mit den goldenen Lettern "Gucci" darauf: der Preis dieser Produkte bemisst sich nicht an den Herstellungskosten, sondern an dem als gut empfundenen Markennamen. In dieser Woche interviewte die SÜDDEUTSCHE eine Frau, die davon lebt, wohl klingende Namen zu kreieren. Und die Chefin der Agentur "Nomen Deutschland" sprach:

Der Name ... allein macht ein Produkt wirklich einzigartig.

Schön, dass eine, die es wissen muss, das so klar ausspricht: Es geht eher nicht um die Produktqualitität, wenn Menschen größere Summen Geldes auf die Ladentheke legen, um sich von den schnöden Billig-Schund-Konsumenten abzuheben. Während die Hersteller der Luxus-Produkte oft unter miserablen Arbeitsbedingungen und eben solchen Löhnen leiden, verdient die Namensgeberin der teuren Waren nicht schlecht. Sie sagt:

Es gibt Namen für Firmen, die ... würden etwa so viel kosten wie eine Luxuslimousine...

Fast schon ein wenig doppelbödig überschreibt die SÜDDEUTSCHE ihr Interview mit den Worten "Was gut klingt, darf ein bisschen mehr kosten".

Apropos Kosten: Luxusprodukte kosten zu wenig, jedenfalls sind "Luxusprodukte ... vielen Kunden zu preiswert". Hersteller verlangen weniger, als sie könnten und diejenigen, "die ihre Preise erhöhen, verkaufen mehr als je zuvor". Seltene Kombination: Reich und lebensklug.

19.7.09

Köter und Klassenkampf

Oder: Nicht jedes Hundeleben ist ein Hundeleben

Manches Lebewesen vermag sich dem SPRUSKO-Prinzip zu entziehen, am besten und nachhaltigsten durch Reichtum. Denn Reichtum ermöglicht bekanntlich den Konsum (scheinbar) nicht-schundiger Waren, mit denen man sich von der grauen Masse abheben kann.

Längst tobt der Konsumklassenkampf auch unter Hunden unterschiedlicher sozialer Herkunft. Am oberen Ende der Nahrungskette gibt es Luxusfressen von Ayuverda über Edelfleisch bis Zen-kompatibel. Am unteren Ende ist derweil Restefressen angesagt solange der Vorrat reicht.

Eigenwerbung: