30.4.10

Keine Wertarbeit – nirgends (545)

"Überqualität" rechnet sich nicht: Wenn Produkte allzu schnell kaputt gehen, dann ist das mitunter Teil einer bewussten Strategie. Der Fachmann spricht von geplanter Obsoleszenz

Heute gibt es nur einen kleinen Lektüretipp: Ich empfehle den WIKIPEDIA-Artikel zum Thema Obsoleszenz und insbesondere den Abschnitt Geplante Obsoleszenz. Dort heißt es:

Die geplante Obsoleszenz ist Teil einer Produktstrategie. Beim Herstellprozess werden in das Produkt bewusst Schwachstellen eingebaut oder Rohstoffe von schlechter Qualität eingesetzt. Das Produkt wird schnell schad- oder fehlerhaft, kann nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden und muss ersetzt werden (built-in-obsolescence).

Und weiter:

Möglich ist auch der Einbau eines Mechanismus, welcher nach einer gewissen Betriebsstundenzahl, die größer als die Garantiezeit sein sollte, entweder eine Zerstörung wichtiger Funktionskomponenten hervorruft oder eine Betriebsstörung vortäuscht, welche nur durch eine, in der Gebrauchsanleitung nicht beschriebene Aktion, welche nur Servicetechnikern bekannt sein sollte, wieder in Gang gebracht werden kann.


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Das WIRTSCHAFTSLEXIKON24 spricht in diesem Kontext von "künstliche[n] Qualitätsschwächen" und von "künstliche[r] Verkürzung der Produktlebensdauer", die oft gepaart seien mit Reparaturunfreundlichkeit (Nieten statt Schrauben!). Ursachen:

Hersteller von Gebrauchsprodukten leiden unter der relativ hohen Marktsättigung ihrer Produkte. Sie leiden aber auch an den Folgen der Produktqualität, die die Lebensdauer erhöht und damit das Geschäft mit der Ersatzbeschaffung beeinträchtigt.

Die Produktqualität: ist sie zu hoch, dann "leiden" die Hersteller also. Mitunter fällt in diesem Zusammenhang gar das schöne Wort Überqualität. Denn: Würde ein Radio ein Menschenleben lang halten, so könnte pro Menschenleben nur ein Radio verkauft werden. Das ist zu wenig, meinen die Produzenten. Und überlassen das Leiden dem Kunden.